Quo Vadis Solidarität?

Es ist schon etwas her, als wir uns das letzte Mal via Kommuniqué gemeldet haben. Im März war es, als Menschen für Pflegekräfte auf den Balkon gegangen sind. Sie haben geklatscht, um ihre Wertschätzung gegenüber systemrelevanten Arbeitskräften zum Ausdruck zu bringen. Solidarität war die Losung dieser Tage – auch wir haben sie gefordert. Letztlich ist nicht viel geblieben vom lauen Lüftchen gesamtgesellschaftlicher Verantwortung. Über Systemrelevanz hat diesen Sommer kaum einer mehr gesprochen, verflogen waren die guten Ansätze.

Wie steht es um unseren Fußball? Die Nachricht, die uns am Dienstag erreicht hat, hat ihre Sprengkraft unmittelbar entfaltet. Der FSV kann das Hessenpokalfinale nicht wie gewünscht unter Auflagen eines peniblen Hygienekonzepts vor 1.280 Zuschauern durchführen. Schon diesen Plan haben wir mit skeptischen Augen verfolgt. Nein, der FSV darf sein Heimspiel vor exakt 250 Zuschauern austragen. Lokale Behörden hatten durch die aktuelle Ansteckungsdynamik in Frankfurt keine Sondergenehmigung für das Spiel erteilt. Die Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung in Hessen sieht derzeit Großveranstaltungen mit bis zu ebenjenen 250 Zuschauern vor. Diese 250 Eintrittskarten sollen nun in aristokratischer Manier verteilt werden. Es wird also nicht zu einem freien Verkauf kommen. Gut die Hälfte, also ca. 120 Zuschauer, werden zum Kreis der auserwählten Fußball-Funktionäre des Hessischen Fußballverbandes (HFV) gehören. Unter welchen Umständen diese Eintrittskarten verteilt werden, ist uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar. Dass auch DFB-Funktionäre oder Mitarbeiter des „Hessisches Ministerium des Innern und für Sport“ an den Bornheimer Hang pilgern werden, scheint also ein durchaus realistisches Szenario. Der FSV Frankfurt erhält insgesamt 63 Eintrittskarten, wovon 23 an Sponsoren verteilt werden und ca. 40 in einem Losverfahren an Dauerkartenbesitzer und Vereinsmitglieder veräußert werden. Der restliche Anteil an Zuschauern wird aus den Kreisen des TSV Steinbach zu erwarten sein.

Festzustellen ist: der FSV Frankfurt ist nicht Ausrichter dieser Partie und trägt trotzdem eine Mitverantwortung für dieses Schauspiel. Wie kann es sein, dass Hygienebestimmungen in einer solch unsolidarischen Art und Weise zu einer Zweiklassengesellschaft beitragen können? Ganz einfach, wenn Sportveranstalter ihr eigenes Wohl über das Gemeinwohl stellen. Wenn es das lokale Infektionsgeschehen nicht hergibt, müssen Großveranstaltungen eben vor dem Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen werden. Das Motto vieler Fußballfans, dem wir uns anschließen, lautet: Alle oder keiner! Es darf nicht Sinn und Zweck von Stadionteilöffnungen sein, privilegierten Funktionären und Sponsoren ein Sonderrecht für Veranstaltungsbesuche einzuräumen. Es entbehrt sich jeder Logik, wie ein Fußballverband seiner gesellschaftlichen Verantwortung nicht gerecht wird und zum Teil des Problems verkommt. Es wurde von Anfang an befürchtet, dass behördliche Hygieneauflagen zu gesellschaftlicher Spaltung führen könnten, sollten sie missbraucht werden. In kleinem Kreis wird diese Befürchtung nun Realität werden, wenn Sportfunktionäre und Sponsoren auf ihren Logenplätzen an die Ehrentribüne des BFC Dynamo der 80er Jahre erinnern.

So oder so: wir hätten das Hessenpokalfinale nicht im Stadion besucht. Großveranstaltungen haben in Zeiten großer Herausforderungen hintenanzustehen. Es gilt hohe Infektionszahlen zu vermeiden und deshalb rufen wir weiterhin zu Vernunft auf. Je glaubhafter Hygienekonzepte von Veranstaltern umgesetzt werden, desto besser und solidarischer lässt sich die Krise bewältigen. Es darf kein Wasser auf die Mühlen der „Coronaleugner“ geben. Verantwortungsvolles Handeln muss jeden betreffen.

PUGNATORES ULTRAS im August 2020

ZUR AKTUELLEN SITUATUION

Corona hält die Welt in Atem. Das öffentliche Leben befindet sich in einem bis dato unbekannten Ruhezustand. Kindergärten und Schulen sind ebenso geschlossen wie viele Betriebe, Theater, Museen, Kinos, Geschäfte – und Stadien.

Die Einhegung des Virus erfordert die Solidarität und das Mitgefühl aller – und verlangt uns einiges ab. Wir sind zu dieser Solidarität bereit. Vordringliches Ziel ist die Eindämmung des Virus und die Sicherstellung der medizinischen Versorgung.

Gleichzeitig muss der Fußballsportverein in Folge der Aussetzung des Spielbetriebs auf erhebliche Einnahmen verzichten. Wir haben daher gemeinsam mit vielen weiteren Personen aus Block 385 insgesamt 2.500 Euro gesammelt und diese dem Verein am heutigen 14. April 2020 übergeben. Die Summe mag ein Tropfen auf den heißen Stein sein, sie übersteigt aber in jedem Fall die Einnahmen, die der FSV bei den noch ausstehenden Heimspielen aus dem Ticketverkauf für unseren Block erzielt hätte.

Wir bedanken uns vielmals bei allen Spendern aus Block 385 und unseren Freunden.

Zugleich rufen wir alle FSV-Fans dazu auf, es uns nachzutun, und ebenfalls an den Verein zu spenden. Hierzu hatten wir bereits die Kontodaten einer Fanszene-übergreifenden Spendenaktion kommuniziert.

Wir begrüßen es, dass Verkäuferinnen und Krankenschwestern momentan mehr Wertschätzung entgegengebracht wird. An der generellen Benachteiligung von Beschäftigten in den sogenannten „typischen Frauenberufen“ und den damit verbundenen geringeren Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten ändert sich dadurch allerdings noch nichts. Wir unterstützen daher die Forderung, die Tarifverträge im Einzelhandel und in der Pflegebranche für allgemeinverbindlich zu erklären.

FUSSBALLSPORTVEREIN VS. FC GIESSEN

Aufgrund von immer stärkeren Repressionen seitens der Polizei entschlossen wir uns gegen einen optischen und akustischen Support in den ersten 30 Minuten. In dieser Zeit wurden in unserem Sektor mehrere Spruchbänder präsentiert, welche sich gegen die Staatsmacht richteten.